Heimat-, Kultur- und Museumsverein Lampertheim e.V.

Das Backhaus

Das Backhaus entspricht mit seiner Ausstattung den Verhältnissen, wie sie bis in die Zeit vor 70 oder 80 Jahren hier anzutreffen waren. Wir sehen neben der Backmulde große Teigkörbe in denen der Teig meist eine Nacht aufbewahrt wurde, bis er zu Brotlaiben geformt in die kleineren Backkörbe gegeben wurde. Brotkörbchen und Kuchenformen (Kuchen gab es ganz selten im Jahr, an Kirchweihe und Weihnachten, oder anlässlich eines Familienfestes, bei Hochzeiten o. ä. Anlässen) stehen auf der Brotablage. Daneben befindet sich eine Holzpumpe, wie sie früher im Ried häufig anzutreffen waren. Bei der geringen Grundwassertiefe war sogar das Ansaugrohr aus Holz. Die Pumpe im Backhaus stand ursprünglich bei der Ziegelei Waldenberger im Rosengarten (heute Kaufland). Feuerkratzen und Mehlsiebe ergänzen die Ausstattung des mit dem Haus entstandenen Backhauses.

Den Lampertheimern wurden nach einer im Jahre 1841 erlassenen Waldordnung, die zum Schutze des stark in Mitleidenschaft gezogenen Waldes dringend erforderlich geworden war, zwar ihre Backöfen belassen, ihr Heizmaterial durften sie künftig aber nicht mehr dem Gemeindewald entnehmen. Dies mussten sie von da an in der Umgebung kaufen. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurde vielfach auch Torf verwendet, der im hiesigen Bruch gewonnen wurde und über viele Jahrzehnte zu einer ausnahmsweise gut fließenden Einnahmequelle der Gemeinde geworden war.
Bei den Aufräumungsarbeiten wurden um den Backofen noch einige Torfstücke gefunden.
Der auf etwa 10 cm starken Eichenbohlen aufgemauerte und mit Lehm abgedeckte Ofen wurde vom Backhaus aus beheizt. Zum Anheizen wurden “Wellen" (das Geäst der Kiefer mit Kiefernadeln) verwendet und danach mit Abschnitten von Holzscheiten weiter befeuert. Sobald der Ofen die ausreichende Temperatur besaß, wurde das Feuer herausgenommen und der inzwischen hergerichtete Brotteig hineingeschoben. Brot wurde meistens für 8 bis 14 Tage gebacken.